Freitag, 25. April 2008

Die ersten neun Monate

Kaum zu glauben, aber mitlerweile bin ich schon seit neun Monaten in Atlanta. Die Zeit geht einfach wahnsinnig schnell um. Nochmal neun Monate und ich bin schon wieder in Deutschland. Im Moment würde ich allerdings noch nicht weg wollen, da ich mich hier zur Zeit echt wohl fühle und man sich hier natürlich mitlerweile auch ein Leben aufgebaut hat. Letztes Jahr im Juli bin ich mit zwei Koffern und etwas Handgepäck ins Flugzeug gestiegen, ohne wirklich zu wissen, was mich hier erwartet und wie sich alles entwickeln wird. Zeit ein kleine Review zu ziehen:

Privat hat sich alles super entwickelt. Ich habe in den ersten neun Monaten eine Menge netter Leute aus verschiedensten Ländern und Kulturen kennen gelernt und auch einige gute Freunde dazugewonnen, mit denen ich eine Menge spaß hatte. Mit Cejo, meinem indischen Roommate und mitlerweile gutem Kumpel, komme ich auch super klar. Unser Apartment ist gemütlich und zur Zeit auf jeden Fall ein "zu Hause". Auch wenn wir direkt an der I75 und I285, einen sechs- und einen fünfspurigen Highway liegen und bei offenem Fenster stets ein Rauschen zu vernehmen ist. Man gewöhnt sich an alles. Sogar an die Militärmaschinen, die täglich im Landeanflug nur etwa 300 Meter über unsere Dächer hinwegfliegen.

Von Atlanta wusste ich vorher nicht wirklich viel und es ist definitiv anders als erwartet, aber eigentlich hätte es mich nicht besser treffen können. Ich mag Atlanta super gerne. Trotz dem, dass Atlanta 5 Millionen Einwohner hat und einfach riesig ist, findet man doch überall den gewissen Südstaaten Charme wieder. Es gibt hier so viele, echt gute Restaurants (ich reden nicht von den unzähligen Fast Food Läden), Clubs, Bars und Lounges in unterschiedlichsten Gegenden von Downtown, über Studentengebieten bis hin zu upscale Wohngebieten. Zu den nervigen Dingen in Atlanta zählt der wahnsinnige Verkehr. Das Problem ist, dass hier alles so verteilt und weit auseinander ist, so dass hier fast jeder ein Auto hat, bzw. drauf angewiesen ist. Wenn es dann zur Rush Hour kommt, geht teilweise gar nichts mehr, trotz sechsspurigen Highways und kaum einspurigen Straßen. Was das ganze wieder gut macht, ist das super Wetter. Von April bis Oktober ist hier Sommer und 90% der Tage hat man strahlend blauen Himmel.

Kommen wir zu dem Part, weswegen ich eigentlich hier bin, dem Trainee Programm. Ich habe im Front Office Bereich mitlerweile so gut wie alles gemacht. Angefangen als Night Audit in der Nachtschicht, dann einen Monat als Bellman gearbeitet und zum Bellcaptain befördert, was ich die letzten sechs Monate gemacht habe und eine echt gute Erfahrung war. Auch als Bellcaptain hatte ich bei uns im Hotel ganz normale Bellman Schichten. Das hieß präsent sein und ersten Gastkontakt herstellen durch begrüßen, Autotüren aufhalten, mit dem Gepäck helfen, Wegbeschreibungen geben, Empfehlungen für Restaurants geben und Reservierungen machen und unseren Hotel Shuttle fahren, den Gäste im Umkreis von 5 Meilen kostenlos nutzen können. Ausserdem habe ich eine Checklist für die Schicht erstellt, um sicher zu gehen, dass täglich anfallende Aufgaben für die Bellmans auch täglih erledig werden. Auch wenn ich teilweise eine harte Zeit hatte, unsere Bellman, die teilweise schon über 10 Jahre in dem Hotel arbeiten, dazu zu bringen die Checklist auch täglich zu nutzen, habe ich sie letztendlich doch dazu gebracht. Während der Zeit als Bellcaptain habe ich auch immer am Front Desk ausgeholfen, wenn z.B. die Lobby voller Gäste war, die einchecken wollten. So kam es teilweise vor, dass ich einem Gast das Gepäck ausladen geholfen habe, ihn danach eingecheckt habe, daraufhin sein Gepäck aufs Zimmer gebracht und zwei Stunden später ein Restaurant empfohlen und den Gast hingefahren habe. Rundum Service sozusagen. Dadurch bin ich auch im Dezember "Front Office Shining Star Of The Month" (Mitarbeiter des Monats) geworden, was mir eine Urkunde und zwei Tickets für das Atlanta Aquarium eingebracht hat. Wir haben jeden Monat ein Front Office Meeting, bei dem auch der Shining Star Of The Month bekannt gegeben wird.
Mitlerweile bin ich wieder am Front Desk und überwiegend in der Spätschicht, die von 15 - 23:30 Uhr geht. Die Arbeit macht echt spaß. Teilweise wird es echt stressig, wenn es z.B. Montag ist und wir 250 und mehr check ins erwarten. Ausserdem ist man am Front Desk natürlich auch immer erster Ansprechpartner für jegliche Anliegen und Beschwerden der Gäste. Man wird manchmal schon innerlich auf die Palme gebracht, aber da wird einfach gelächelt und weiter gemacht.
Heute war übrigens wieder Front Office Meeting. Die Wahl des Shining Star Of The Month für April hat das Management an folgendem ausgemacht: Wir haben gewisse Basics. Wenn Gäste in die Lobby kommen, sollen wir die Gäste mit einem Lächeln begrüßen, beim einchecken fünf mal den Gastnamen benutzen, gute nonverbale Komunikation anwenden, wie viel Augenkontakt, usw.. Unsere Manager haben eine Tabelle und sind angewiesen, regelmäßig festzuhalten, in wie weit wir diese Basics befolgen. Wir bekommen davon eigentlich gar nichts mit und haben auch heute erst erfahren, dass das überhaupt gemacht wird. Jedenfalls wird so ein individueller Prozentsatz für jeden Mitarbeiter ausgerechnet, in wie weit diese Basics angewendet werden, Vorgabe von Marriott ist 90 Prozent. Für die heutige Wahl waren die Bewertungen von März und April ausschlaggebend. Ich wurde in dieser Zeit acht mal bewertet und habe mit 98 Prozentpunkten das beste Ergebniss erziehlt und bin somit diesen Monat zum zweiten mal zum Shining Star Of The Month ernannt worden, was mir eine weitere Urkunde und einen $25 Tankgutschein eingebracht hat. Ich bin darauf durchaus stolz und konnte es mir auch nicht nehmen lassen ein Foto der Urkunde zu posten! ;)



Mit der Arbeit läuft also alles ganz gut soweit und ich bin zufrieden. Im Juni startet ein Leadership Development (frei übersetzt: Führungskräfte Werdegang), woran ich teilnehmen werde und was bestimmt ganz interessant und lehrreich wird.

Ein weiterer Grund, warum ich hierher gekommen bin, war natürlich, um mein Englisch zu verbessern. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich bin mit befriedigenem Englisch hier hergekommen und mitlerweile spreche ich gutes, fließendes Englisch. Mit einem harten, deutschen Akzent, auf den die Leute hier voll stehen. Ich weiß nicht, wie oft ich die Sätze "Wow, you have a nice accent" oder "I love your accent" schon gehört habe.

Auch wenn die Amerikaner in einigen Belangen und Einstellungen sicherlich stranger als wir Europäer sind, finde ich es doch echt beeindruckend, wie gut man hier aufgenommen wird. Vieleicht liegt das am freundlichen Süden, aber ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie sich freuen mich in ihrem Land zu haben und mir eine gute Zeit wünschen. Sicherlich auch oft mit einer ordentlichen Portion Patriotismuss, aber bisher hatte ich nur positive Erfahrungen in der Beziehung.

Soviel zu meinen ersten neun Monaten in den USA. Ich freue mich auf die nächsten Monate und auf einen hoffentlich geilen Sommer in Georgia. In acht Wochen bekomme ich Besuch von einem meiner besten Freunde. Wir werden unter anderen einen Roadtrip nach Miami starten, worauf ich mich schon super freue. Und danach natürlich auf meine Family, die im September kommt, was ich auch kaum erwaten kann.

Zum Abschluss des Posts gibt es noch ein kleines Video von unserem Apartment, was ich gerstern aufgenommen habe. Auch wenn alle Möbel wild für kein oder wenig Geld zusammengewürfelt sind, gefällt es mir doch echt gut. Aber schaut doch selbst bei einem kleinen Rundgang durch Apartment B7:



Bis bald! =)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

da ist es bei der Rash Hour ja besser mit dem Rad *lach*

Ein tolles viedeo...in natura noch viel besser ;)

gruss die Nachbarschaft

Christopher hat gesagt…

jo gefällt mir echt gut... freu mich schon wie teufel :)
der strake